Einbruch Aufbruch Ausbruch


Ort

Das Medienfestival 2015 findet wieder in und um das Leibnizhaus 2 in der Stauffenbergstrasse 30 statt.

Zum Leibnizhaus 2:

Wir glauben, nein wir wissen: dass ein anderes Leben möglich ist!

Das Leibnizhaus 2 (LH2) ist eine 1908 erbaute wunderschöne Villa auf dem Österberg in Tübingen. Seit über 40 Jahren bietet sie Raum für ein selbstverwaltetes Wohnprojekt, das sich 1987 gemeinsam mit dem benachbarten Leibnizhaus3 offiziell in einem Verein organisiert hat.

In diesem Wohnprojekt ist 2003 die Idee des Medienfestivals plattform:[nobudget] entstanden, und nach wie vor ist das Leibnizhaus2 durch die tatkräftige Unterstützung seiner BewohnerInnen und nicht zuletzt auch durch seinen unverwechselbaren baufälligen Charme die Plattform unter der Plattform.

LH2

Wir glauben, nein wir wissen: dass ein anderes Leben möglich ist! Deshalb sind wir am experimentieren. Wir operieren nicht im luftleeren Raum, wir sind nicht alleine auf der Erde. Auch wir müssen Miete zahlen, arbeiten oder studieren gehen oder sonstwie über die Runden kommen. Manchmal müssen wir irgendwohin gehen und irgendwie gut aussehen oder cool wirken. Wir brauchen Papiere und manchmal sollen wir uns ausweisen. Wir müssen Gas und Öl aus irgendwelchen Kriegs- und Krisengebieten verbrauchen und brauchen ein Konto bei einer Bank um Strom- und Telefonrechnungen an Unternehmen zu zahlen mit denen wir überhaupt nicht einverstanden sind. Wir müssen manchmal kämpfen, damit niemand von uns dorthin zurückgebracht wird, von wo er oder sie einst geflohen ist. Wir müssen vor allem auch gegenseitig unsere Grenzen und Bedürfnisse kennen und respektieren lernen.

All diese Dinge beschäftigen uns in unterschiedlichem Maße, wie wir überhaupt sehr unterschiedlich sind. Deshalb sind wir ständig am Verhandeln darüber, wie wir leben wollen und es angesichts der Umstände können. Da geht es dann um Dinge wie Sauberkeit und Putzdienste oder Energieverbrauch und Umweltschutz. Einige von uns sind sehr praktisch und schaffen einfach mal Fakten, die machmal auch gnadenlos wieder umgestoßen werden. Darum ist das Haus stets in Bewegung, allerding ohne dass irgendjemand sagt, wo es lang geht. Das nennen wir Selbstverwaltung. Damit geht es uns gut, und das lassen wir uns keinesfalls nehmen.

Wir sind Menschen mit ganz unterschiedlichen Lebensentwürfen, aus verschieden Regionen der Erde und in verschiedenen Phasen unseres Lebens. Wir leben in einem grossen, alten Haus mit einem großen und wilden Garten, etwa 30 Zimmern, verschiedenen Gemeinschaftsräumen, einer großartigen Terrasse, gegenwärtig zwei Bädern und zwei Küchen. Es sind immer Gäste hier und manchmal feiern wir rauschende Feste. Einmal im Monat kommen die meisten Bewohner zusammen, um das zu besprechen, was alle betrifft. Es fällt natürlich auch dazwischen viel an, wofür dann einzelne "Ministerien" zuständig sind. Das sind die Leute, die fähig und bereit sind, bestimmte Aufgaben zu übernehmen, oder darauf sogar Lust haben. Die Ministerien arbeiten nicht im Verborgenen, sondern fragen andere Mitbewohner, wenn sie sich über Entscheidungen unsicher sind. Außerdem verändert sich ihre Zusammensetzung und Zuständigkeit laufend.

Gemeinsam mit dem anderen Leibnizhaus sind wir auch ein Verein, weil wir das manchmal sein müssen, um als "juristische Person" Verträge etc. abschließen zu können. Und weil die beiden Häuser zusammen stärker sein können, wenn sie gegenüber Dritten an einem Strang ziehen. Was hingegen nur die einzelnen Häuser betrifft erledigen beide in Eigenregie. Zudem stehen wir auch mit anderen selbstverwalteten und teilselbstverwalteten (Wohn-)Projekten in Verbindung. Wir haben gemeinsame Aktionen durchgeführt und wenn eines in Schwierigkeiten ist, versuchen wir uns gegenseitig zu unterstützen. Auch sonst leben wir nicht einfach vor uns hin, sondern treten auch an die Öffentlichkeit. Seit einigen Jahren findet im Frühsommer ein Multimedia-Spektakel mit dem Titel "plattform:[no budget]" statt, das von vielen Hausbewohnern mitorganisiert wird. Auch hier gilt: Wir sind kein abgeschlossener Mikrokosmos. Viele haben einmal hier gewohnt und bleiben uns lange verbunden, manche kommen hier nur ab und zu unter oder beteiligen sich an einzelnen Projekten, andere haben nie hier gewohnt, aber gehören trotzdem dazu.
Wir sind viele!